What move us: Impulse aus dem betervest Team
In unserem Format „What Moves Us – Impulse aus dem bettervest Team“ schauen wir über den Impact-Investing Tellerrand hinaus und teilen was uns aktuell bewegt: zukunftsweisende Projekte, innovative Geschäftsmodelle und Menschen oder Organisationen, die mit neuen Ideen nachhaltigen Wandel voranbringen.
Nachhaltig Reisen
Wie kann Reisen in Zukunft nachhaltiger gestaltet werden? Diese Frage wird immer drängender, da der Tourismus weltweit wächst und zugleich ökologische sowie soziale Herausforderungen mit sich bringt. Nachhaltige Reiseansätze suchen deshalb nach Lösungen, die Verantwortung und Erlebnisse miteinander verbinden. Die Welt entdecken und dabei Umwelt, Klima und lokale Gemeinschaften möglichst schonen.
Genau hier setzt EcoBnB an. Die Plattform bringt Reisende mit nachhaltigen Unterkünften zusammen und macht verantwortungsbewusste Reiseentscheidungen einfacher. Wir haben mit Mitgründerin Silvia Ombellini darüber gesprochen, wie EcoBnB entstanden ist, welche Entwicklungen sie im nachhaltigen Tourismus beobachtet und welche Rolle Reisende dabei spielen können.
Interview mit Silvia von EcoBnB:
bettervest: Wie entstand die Idee zu Ecobnb, und welche Vision verfolgt ihr mit eurer Plattform langfristig?
Silvia von Ecobnb: Alles begann vor etwa 15 Jahren – aus einem ganz konkreten Bedürfnis heraus und aus einem Lebensstil, den wir bereits täglich lebten. Simone und ich waren schon damals in einer solidarischen Einkaufsgemeinschaft aktiv und begeisterten uns für Bioarchitektur, biologische Ernährung und die Reduzierung von Abfall. Doch beim Reisen merkten wir schnell, wie schwierig es war, Entscheidungen zu treffen, die wirklich im Einklang mit unseren Werten standen.
Die eigentliche Idee entstand aus einem Moment der Frustration: Simone suchte eine nachhaltige Unterkunft für eine Konferenz, doch selbst nach stundenlanger Recherche waren die Möglichkeiten sehr begrenzt. In diesem Moment wurde uns klar, dass ein einfaches und verlässliches Werkzeug fehlte, um wirklich umweltfreundliche Unterkünfte zu finden.
Das war der Auslöser. Wir wollten nicht länger nur ein Problem erkennen, sondern aktiv Teil der Lösung sein. So entstand 2013 unser erstes Projekt, aus dem später Ecobnb wurde – eine Plattform, die bewusste Reisende mit Unterkünften verbindet, die sich täglich für mehr Nachhaltigkeit und einen geringeren ökologischen Fußabdruck einsetzen.
Für uns ist Ecobnb weit mehr als nur eine Website: Es ist das Ergebnis eines persönlichen Weges und einer bewussten Lebensentscheidung. Wir sind überzeugt, dass jede noch so kleine Handlung einen Unterschied machen kann – und dass auch die Art zu reisen dazu beitragen kann, eine nachhaltigere Zukunft zu gestalten, im Einklang mit der Umwelt sowie den lokalen Gemeinschaften.
Unsere langfristige Vision ist es, dass immer mehr Menschen weltweit das Konzept des verantwortungsvollen Reisens für sich entdecken und leben – und dass gleichzeitig immer mehr Unterkünfte konkrete Maßnahmen ergreifen, um ihre Umweltauswirkungen zu reduzieren. Unser Traum ist es, eine globale Community der Gastfreundschaft aufzubauen: Orte und Menschen, die aktiv etwas für die Zukunft unseres Planeten tun und damit Reisende auf der ganzen Welt inspirieren.
bettervest: Ecobnb steht für nachhaltiges Reisen mit messbarem Impact: Könnt ihr konkrete Zahlen oder Beispiele nennen, wie viel CO₂, Wasser oder andere Ressourcen durch eure Plattform bereits eingespart wurden? Und wie messt ihr diesen Impact?
Silvia von Ecobnb: Die Server von Ecobnb werden zu 100 % mit lokaler erneuerbarer Energie betrieben, was bedeutet, dass beim Hosting keinerlei CO₂-Emissionen entstehen.
Was den Impact der Aufenthalte betrifft, haben wir in Zusammenarbeit mit dem Projekt HowManyTrees ein auf wissenschaftlichen und ökologischen Daten basierendes Schätzsystem entwickelt. Damit können wir Reiseentscheidungen in einfache, verständliche Umweltindikatoren übersetzen.
Im Durchschnitt lassen sich pro Person und Nacht in einer Ecobnb-Unterkunft folgende Einsparungen erzielen:
– bis zu 8 kg vermiedene CO₂-Emissionen
– etwa 302 Liter eingespartes Wasser
– das entspricht rund 295 „geretteten“ oder kompensierten Bäumen
Dies ist möglich, weil die Unterkünfte in unserem Netzwerk konkrete nachhaltige Maßnahmen umsetzen, wie erneuerbare Energie, Bioarchitektur, Abfallvermeidung, regionale und biologische Produkte sowie ein effizientes Wasser- und Abfallmanagement. Jedes Nachhaltigkeitskriterium wurde in einen messbaren Umweltwert übersetzt, sodass die Auswirkungen nicht nur real, sondern auch transparent und leicht nachvollziehbar sind.
Die Gesamtwirkung berechnen wir durch die Aggregation aller gebuchten Aufenthalte auf der Plattform. So können wir klar darstellen, wie viel CO₂ insgesamt eingespart wurde und wie viele „Baumäquivalente“ durch die Ecobnb-Community bewahrt wurden.
Neben der Reduktion von Emissionen fördern wir auch aktive Kompensation durch Aufforstungs- und Naturschutzprojekte. Ein konkretes Beispiel ist unser Urwald in Ligurien, in der Provinz Savona: ein etwa 10 Hektar großes Gebiet, das wir erworben haben und das wir der langfristigen natürlichen Regeneration überlassen.
Nach einem illegalen Kahlschlag, der einen Großteil des Waldes zerstört hatte, holt sich die Natur nun Schritt für Schritt ihren Raum zurück. Ahorn, Eichen, Hainbuchen, Kastanien und Kiefern wachsen wieder spontan, begleitet von einer zunehmend reichen Biodiversität aus Insekten, Vögeln und heimischer Fauna. Unser Ziel ist klar und zugleich langfristig: dieses Gebiet für die nächsten 50, 100 und 500 Jahre zu schützen und dem Wald zu erlauben, sich in seinem eigenen natürlichen Rhythmus zu entwickeln.
Wir möchten, dass dies kein Einzelfall bleibt, sondern ein reproduzierbares Modell wird: weitere Waldflächen in Italien und Europa entstehen zu lassen und Raum für komplexe, widerstandsfähige Ökosysteme zu schaffen, die langfristig CO₂ binden und Biodiversität fördern.
Unser Ziel ist es nicht nur, den Impact zu messen, sondern ihn sichtbar zu machen und in Bewusstsein zu verwandeln: Jede Reise kann zu einer konkreten Entscheidung werden, die Konsum und Emissionen reduziert und gleichzeitig aktiv zur Regeneration unseres Planeten und für zukünftige Generationen beiträgt.
bettervest: Woran erkennen Reisende konkret, ob eine Unterkunft wirklich nachhaltig ist – und wie stellt ihr sicher, dass die Angebote auf eurer Plattform diesen Kriterien entsprechen?
Silvia von Ecobnb: Reisende erkennen eine wirklich nachhaltige Unterkunft bei Ecobnb an klar definierten, einfachen und transparenten Kriterien. Unser Ziel ist es, Nachhaltigkeit nicht kompliziert oder abstrakt zu machen, sondern konkret, verständlich und überprüfbar – sowohl für Gastgeber als auch für Gäste.
Die auf Ecobnb gelisteten Unterkünfte – von Bio-Agriturismen über Eco-Hotels bis hin zu nachhaltigen Berghütten oder Glamping-Strukturen – müssen mindestens 5 von 10 klar definierten Hauptkriterien erfüllen:
- 100 % erneuerbare Energie
- Bio- oder regionale Lebensmittel
- energieeffiziente Bioarchitektur
- LED- oder Energiesparbeleuchtung
- Solaranlagen für Warmwasser
- umweltfreundliche Reinigungsprodukte
- konsequente Mülltrennung (über 80 % Recycling)
- Zugang ohne Auto bzw. nachhaltige Mobilität
- Wassersparsysteme wie Durchflussbegrenzer
- Regenwassernutzung
Ergänzend gibt es weitere „sekundäre“ Nachhaltigkeitsmerkmale, etwa Fahrradverleih, E-Ladestationen, vegane oder nachhaltige Menüs, plastikfreie Konzepte, lokale Handwerksmöbel oder Projekte zur Unterstützung der lokalen Gemeinschaft.
Was die Kontrolle betrifft, basiert das System auf einem transparenten, gemeinschaftlichen Ansatz: Die Nachhaltigkeitskriterien sind aus international anerkannten Ökotourismus-Standards abgeleitet und werden von den Gastgebern selbst zertifiziert. Diese Angaben werden anschließend durch die Erfahrungen und Bewertungen der Reisenden überprüft, die nach ihrem Aufenthalt gezielt Feedback zur Nachhaltigkeit der Unterkunft geben können.
So entsteht ein dynamisches System aus Selbstverpflichtung und Community-Validierung, das Transparenz schafft und sicherstellt, dass Nachhaltigkeit nicht nur behauptet, sondern auch tatsächlich gelebt wird.
Silvia von Ecobnb:
Reisende spielen eine entscheidende Rolle dabei, den Tourismus nachhaltiger zu gestalten. Es geht dabei nicht darum, mehr Geld auszugeben oder auf Komfort zu verzichten, sondern vielmehr darum, die eigene Haltung, einige Gewohnheiten und vor allem das Bewusstsein für die eigenen Umweltauswirkungen zu verändern.
Jedes Mal, wenn wir uns entscheiden zu reisen, sollten wir uns daran erinnern, dass der Tourismus zu den wichtigsten Umweltbelastungen gehört und dass unsere Art zu reisen entweder zum Schutz oder zur Zerstörung der Landschaften, Berge und Meere beitragen kann, die wir so gerne entdecken möchten.
Ein oft unterschätzter Aspekt ist die Reisedauer: Je länger ein Urlaub dauert, desto nachhaltiger ist er in der Regel. Der sogenannte „Kurztrip-Tourismus“ („mordi e fuggi“) erhöht nämlich die Umweltbelastung durch häufige An- und Abreisen und führt oft zu einem oberflächlichen Reiseerlebnis. Wer länger an einem Ort bleibt, verteilt die Emissionen der Anreise besser, bewegt sich weniger hektisch und erlebt die Destination intensiver und bewusster.
Ebenso wichtig ist die Wahl des Reiseziels: Orte zu vermeiden, die bereits stark vom Overtourism betroffen sind, hilft, die Belastung für Umwelt und lokale Gemeinschaften zu reduzieren. Die Wahl weniger bekannter Destinationen oder das Reisen in der Nebensaison trägt dazu bei, den Tourismus besser zu verteilen und empfindliche Orte zu entlasten.
Einige einfache, aber sehr wirkungsvolle Tipps für nachhaltigeres Reisen sind:
Die erste Entscheidung betrifft das Verkehrsmittel: Wann immer möglich, sollte der Zug dem Flugzeug vorgezogen werden. Der Verkehrssektor gehört zu den größten Verursachern von CO₂-Emissionen, doch die Wahl des Zuges kann die Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Flugzeug um bis zu 76 % reduzieren.
Auch die Wahl der Unterkunft ist entscheidend: In nachhaltigen Unterkünften wie denen auf Ecobnb zu übernachten bedeutet, diejenigen zu unterstützen, die aktiv in eine bessere Zukunft investieren. Kleine Unterkünfte, Bio-Agriturismen und Eco-Hotels können im Vergleich zu herkömmlichen Hotels bis zu 90 % der CO₂-Emissionen einsparen und gleichzeitig authentischere, lokalere Reiseerlebnisse ermöglichen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Mobilität vor Ort: Wenn möglich, sollte auf das Auto verzichtet und stattdessen auf Fahrrad, öffentliche Verkehrsmittel oder zu Fuß gehen gesetzt werden. Das reduziert nicht nur die Umweltbelastung, sondern ermöglicht auch ein langsameres und intensiveres Erleben des Reiseziels.
Ebenso wichtig ist der Respekt gegenüber Natur und besuchten Orten: keinen Müll hinterlassen, Einwegplastik vermeiden, auf den Wegen bleiben und natürliche Lebensräume nicht beschädigen. Kleine Handlungen mit großer Wirkung für die Biodiversität.
Auch Essen und Einkäufe spielen eine wichtige Rolle: Regionale, saisonale und biologische Produkte zu wählen bedeutet, Transportemissionen zu reduzieren und gleichzeitig die lokale Wirtschaft zu unterstützen. Auch Souvenirs aus lokaler Handarbeit sind eine bewusstere und nachhaltigere Wahl.
Ein oft unterschätzter Tipp ist das Reisen mit leichtem Gepäck: Weniger Gewicht bedeutet geringeren Treibstoffverbrauch und somit weniger Emissionen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Nachhaltiges Reisen ist nicht kompliziert. Es ist eine Frage des Bewusstseins. Mit wenigen, aber bewussten Entscheidungen können wir unseren ökologischen Fußabdruck deutlich reduzieren und gleichzeitig dazu beitragen, die Orte zu schützen, die wir lieben.
bettervest: Wenn ihr in die Zukunft blickt: Wie könnte nachhaltiges Reisen in 5–10 Jahren aussehen, und welchen Beitrag möchte Ecobnb dazu leisten?
Silvia von Ecobnb: In den nächsten 5–10 Jahren stellen wir uns einen Tourismus vor, der sich grundlegend verändert hat, in dem Nachhaltigkeit nicht mehr eine Nische ist, sondern ein selbstverständliches und zentrales Kriterium bei der Reiseplanung. Reisende werden zunehmend bewusster mit ihren Entscheidungen umgehen, und Faktoren wie CO₂-Emissionen, Wasserverbrauch und der Schutz lokaler Gemeinschaften werden eine entscheidende Rolle bei der Wahl von Reisezielen und Unterkünften spielen.
Der Tourismus wird außerdem immer stärker erlebnisorientiert sein: weniger „Massenreisen im Schnelldurchlauf“ und mehr langsame, immersive und regenerative Reiseformen. Es wird weniger darum gehen, möglichst viele Orte schnell zu sehen, sondern vielmehr darum, Orte wirklich zu erleben und eine tiefere Verbindung zu Natur, Kultur und Menschen aufzubauen. Dadurch entsteht auch eine bessere Verteilung der touristischen Ströme und eine Entlastung stark überlaufener Destinationen.
Auch technologisch und infrastrukturell erwarten wir große Veränderungen im Bereich der nachhaltigen Mobilität: Elektroautos werden immer verbreiteter, und immer mehr Unterkünfte werden entsprechende Ladeinfrastruktur anbieten. Heute bieten bereits viele Ecobnb-Unterkünfte Lademöglichkeiten mit sauberer Energie an – in Zukunft wird dies zunehmend zum Standard.
In diesem Kontext möchte Ecobnb weiterhin eine treibende Kraft für Veränderung sein – eine Brücke zwischen bewussten Reisenden und wirklich nachhaltigen Unterkünften. Unsere Aufgabe wird es sein, nachhaltige Entscheidungen noch einfacher und transparenter zu machen und die positiven Auswirkungen von Aufenthalten messbar und sichtbar zu machen.
Gleichzeitig möchten wir Unterkünfte aktiv auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit begleiten und Innovationen im Bereich ökologischer und sozialer Verantwortung fördern. Ecobnb ist dabei nicht nur eine Plattform, sondern eine Community, die die gesamte Hospitality-Branche dazu anregt, sich weiterzuentwickeln.
Unser Ziel ist klar: den Tourismus der Zukunft nicht nur weniger schädlich zu machen, sondern ihn langsamer, authentischer und regenerativer für den Planeten und für die Menschen zu gestalten.
Hier geht´s zur Webseite von EcoBnB: https://ecobnb.de/
