Crowdfunding und Steuern

Crowdfunding und Steuern: Was muss ich bei der Steuererklärung beachten?

Da wir hier in der Vergangenheit viele Nachfragen zum Thema Steuern hatten, wurde jetzt eine überarbeitete Auflistung der für die Steuererklärung relevanten Kapitalerträge (= Zinsen) entwickelt. Beides möchten wir zum Anlass nehmen, mal etwas tiefer in das Thema einzusteigen.

Vorweg müssen wir festhalten, dass wir keine Steuerberatung leisten wollen und auch nicht dürfen und letztlich entscheidend ist, was dein Steuerberater sagt.

Dennoch gibt es ein paar grundsätzliche Dinge, die gut zu wissen sind, diese haben wir in einer Frage-Antwort Form zusammengefasst.

Die folgenden Punkte gelten für alle bisherigen Projekte (Stand Mai 2017), außer für das Projekt der Druckerei Kastner & Callwey Medien GmbH und das Eigenfunding von bettervest. In beiden Fällen wurden und werden die Steuern vor der Auszahlung bereits automatisch abgeführt und entsprechende Steuerbescheinigungen versendet.

 

Warum fallen bei meinen bettervest Investments überhaupt Steuern an?

Kapitalerträge, das heißt Einnahmen aus Finanzanlagen sind grundsätzlich steuerpflichtig mit einem Steuersatz von derzeit 25%. Des Weiteren fallen Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer an. Beispiel: Eine Anlegerin erhält 100 € Zinsen aus ihren Anlagen.

Darauf muss sie folgende Steuern zahlen:

  • 25 % Kapitalertragssteuer (25 % von 100 € = 25 €) zzgl.
  • 5,5 % Solidaritätszuschlag auf die Kapitalertragssteuer (5,5 % von 25€ = 1,38 €) und
  • Konfessionspflichtige zusätzlich Kirchensteuer bezahlen. Die Kirchensteuer beträgt beispielsweise in

    Bayern 8% (8% von 25€ = 2€) der Kirchensteuersatz ist abhängig vom Bundesland.

Insgesamt also:

  • 25€ + 1,38€ = 26,38€ ohne Kirchensteuer
  • 25€ + 1,38€ + 2€ = 28,38€ mit Kirchensteuer abführen

 

Warum und wann muss ich mich darum kümmern?

Wenn die Projektinhaber bei bettervest Crowdfundings mit festverzinslichen Nachrangdarlehen durchführen, sind dies nicht dazu verpflichtet die Kapitalertragssteuer als Abgeltungssteuer abzuführen, da die Kapitalerträge nicht gewinnabhängig sind. In allen Projekten (bis auf zwei) sind die bettervest-Investoren also selbst für die Abführung der Steuern verantwortlich.

Anders ist es im Fall der sogenannten partiarischen Nachrangdarlehen, die oft auf Startup-Crowdfundingplattformen zum Einsatz kommen. Bei bettervest haben wir diese Vertragsform nur bei unserem Eigen-Crowdfunding genutzt. Hier ist die Kapitalertragssteuer bereits abgegolten und der Anleger muss sich weder um rechtzeitige Meldung, noch um die Korrespondenz mit dem Finanzamt kümmern. Eine weitere Ausnahme stellt das Projekt der Kastner Callwey Medien GmbH dar, die sich dafür entschieden hat die Steuern direkt abzuführen.

 

Wo finde ich eine Auflistung der von mir erwirtschafteten Zinserträge?

Um jedem Anleger das korrekte Ausfüllen der Einkommenssteuerformulare mit den relevanten Summen möglichst leicht zu machen, listet bettervest die Beträge, um die es geht, in der neuen Erträgnisaufstellung auf. Diese findest du nach dem Login oben rechts unter „Mein Bettervest“ >„Meine Investitionen“.

bettervest: steuern und crowdfunding

 

Durch klicken auf einen der blauen Symbole erhältst du die Erträgnisaufstellung des betreffenden Jahres als PDF-Dokument. Hier ein beispielhafter Auszug für Projekte bei denen die Steuern noch nicht abgeführt wurden:

Erträgnisaufstellung unversteuert

 

Wann wird die Kapitalertragssteuer fällig?

Die Angaben zu Kapitalerträgen werden mit der Einkommenssteuererklärung gemacht und unterliegen derselben Fristigkeit, d.h. aktuell spätestens zum 31.5. des Folgejahres.

 

Wo muss ich Angaben zur Kapitalertragssteuer machen?

Im Einkommenssteuerformular ‚Anlage KAP‘ kannst du in Zeile 7 die Summe aller deiner Zinserträge (ggf. auch aus anderen Finanzanlagen) eingetragen für die bereits Steuern abgeführt wurden, und in Zeile 14 die, für die keine Steuern abgeführt wurden. Das Formular findest du z.B. hier: https://www.formulare-bfinv.de

 

 

Was unterscheidet die Kapitalertragssteuer von der Abgeltungssteuer?

Die Begriffe ‚Kapitalertragssteuer‘ und ‚Abgeltungssteuer‘ bezeichnen inhaltlich das gleiche, nämlich einen Teil der Steuern, die ein Anleger als Steuer auf seine Gewinne bzw. Erträge von Finanzanlagen abführen muss. Wenn diese Steuern, die aus Kapitalertragssteuern, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuern bestehen, nicht vom Anleger, sondern vom Anbieter der Finanzanlage an das Finanzamt abgeführt werden, heißen sie Abgeltungssteuern.

 

Zu weiteren Fragen, z.B. wie das Ausfüllen der ‚Anlage KAP‘ aufgrund eurer individuellen Steuersituation zu erfolgen hat, wendet euch bitte an euren Steuerberater.

Weiterführende Informationen findest du z.B. hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kapitalertragsteuer

https://de.wikipedia.org/wiki/Abgeltungsteuer

https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__43.html

https://dejure.org/gesetze/EStG/20.html

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6 comments on “Crowdfunding und Steuern: Was muss ich bei der Steuererklärung beachten?

In diesem Zusammenhang wäre interessant, wie der – hoffentlich nie eintretende – Fall eines Darlehensausfalles zu behandeln ist. Wenn ich z.B. eine Anleihe (Erwerb nach 2009) habe, die nicht mehr bedient wird, dann kann ich diese mit Verlust verkaufen und den Verlust steuerlich geltend machen. Diese Möglichkeit gibt es wohl beim Nachrang-Darlehen nicht? Dann habe ich in den ersten Jahren Zinsen versteuert, aber schließlich den Verlust des Kapitals nicht steuermindernd geltend machen können?

    bettervest Post author

    Die Frage liegt dem Bundesfinanzhof (BFH) aktuell zur Klärung vor. Der Rat unserer Kanzlei ist deshalb den Verlust zunächst steuerlich zu erklären. Dann – ab Nichtanerkennung – Rechtsbehelf einzulegen und das Verfahren unter Hinweis auf das BFH-Verfahren (BFH Az. VIII R 13/15) aussetzen zu lassen. Dann müssten die Verluste nachträglich von der Finanzverwaltung anerkannt werden, wenn der BFH in diesem Sinne entscheidet.

Hallo Zusammen,

danke für den Beitrag.
Ich habe neulich meine Steuererklärung mit Hilfe einer Software gemacht. Diese hat mir mitgeteilt, dass eine Erträgsnisaufstellung nicht ausreichend ist für die Kapitalerträge. Könnt ihr hierzu eine Aussage treffen?

Gruß

Manuel

    bettervest Post author

    Hallo Manuel!
    Bis auf die zwei genannten Ausnahmen wurden ja keine Steuern abgeführt und damit auch keine Steuerbescheinigungen erstellt. Etwas anderes als die Erträgnisaufstellung gibt es also nicht. Vermutlich kennt die Software diesen Fall so noch nicht. Auch wenn es keine entsprechende Eingabemöglichkeit in der Software gibt, solltest du dem Finanzamt den Sachverhalt irgendwie schildern, da du ja zur Abführung der Steuern verpflichtet bist.
    Beste Grüße
    vom bettervest-Team

Die Zinsen müssen als Einkommen versteuert werden, verstehe ich.
Was ist mit der Tilgung? Da fließt mir ja technisch nur Geld zurück. Muss darauf auch Kapitalertragssteuer gezahlt werden?

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