Wie ein Weltkonto die 17 UN Global Goals vorantreiben kann

Am 25. September 2015 wurden 17 globale Ziele – die UN Global Goals – von 193 Länder festgelegt. Doch wie werden diese realisiert und vor allem finanziert? Wir haben uns mit Joachim° Ackva von Pilot Weltkonto unterhalten. Er stellt ein innovatives Konzept vor, welches diese Ziele aus Bürgerhand finanzieren könnte.

 
Hallo Joachim°!

Bitte stelle uns das Pilot Weltkonto in einem Tweet (140 Zeichen) vor.
Das Pilot-Weltkonto ist eine soziale Neuheit. Wir können uns damit erstmals freiwillig in positiven, global legitimierten Zielen vereinen.

Was hat dich inspiriert, das globale Interesse zu vertreten? Wie kam es zu diesem einzigartigen Konzept?

Mich inspiriert und beglückt, positive Ziele gemeinsam voranzubringen und die UN Global Goals sind entscheidende Ziele für unser Miteinander. Zu den Global Goals zählt selbstverständlich eine nachhaltige und klimastabile Energieversorgung für alle Menschen.

Doch ohne eine strukturelle Ergänzung der Weltpolitik ist die Umsetzung der 17 Menschheitsziele schwierig. Bislang leben wir in einem globalen Haus ohne Hausverwaltung und Gemeinschaftskasse. So lassen sich Aufgaben in der Hausgemeinschaft kaum lösen. Wir alle sind oft überfordert von den politischen, sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Fehlentwicklungen. Manche Politiker kaschieren das mit autoritärem Gehabe.

Was also tun? Erstens: Vereinen wir uns als Menschen freiwillig in einer globalen Gemeinschaftskasse. Zweitens: Bauen wir mit der Gemeinschaftskasse das UN-Sekretariat zur neutralen Hausverwaltung aus. Zweck: Koordinieren und Kofinanzieren der Global Goals. Diese Ziele haben auf Betreiben des UN-Sekretariats alle Regierungen der Welt zumindest auf dem Papier akzeptiert. Die Menschheit verfügt damit erstmals in ihrer Geschichte über verhandelte und global gültige Ziele.

Erforderlich dafür: Ein freiwilliges Tausendstel des globalen Privatvermögens. Mitbestimmung: Jeder Einzahler entscheidet über die Zielprioritäten mit. TNS Emnid-Umfragen in meinem Auftrag in verschiedenen Ländern rund um den Globus zeigen, dass viele Menschen mitmachen würden.

Wieso der direkte Appell an Bürgern und Bürgerinnen? Warum werden die 17 Global Goals der Vereinten Nationen beispielsweise nicht durch nationale Fonds oder Steuergelder finanziert?

Für globale Aufgaben können wir erfahrungsgemäß wenig auf Regierungen zählen, denn sie unterliegen nationalen Machtzwängen. Sie sind nicht für faire Kooperation und globales Allgemeinwohl im Amt. Die globale Aufgabe, eine neutrale Hausverwaltung zu schaffen und die Umsetzung der Global Goals voranzubringen, fällt also uns einzelnen Menschen zu.

Wie stehst du zu Crowdfunding? Kann man dein Konzept als eine Art Crowdfunding betrachten?

Sicher. Ein UN-Weltkonto der Menschen wäre die Mutter allen Crowdfundings. Das Pilot-Weltkonto auf weltkonto.org sehe ich auch als gemeinnütziges Crowdfunding.

 

„Ein UN-Weltkonto der Menschen wäre die Mutter allen Crowdfundings“

 

Wäre in diesem Sinne eine eigene Crowdfunding-Plattform sinnvoll?

Das UN-Sekretariat verfügt mit dem Multi-Partner-Trust-Fund-Office bereits über die passende Infrastruktur. Es könnte die Öffentlichkeit in Nahezu-Echtzeit mit Analysen und Bewertungen, z.B. zu Mitteleingang, Auszahlungen, Projekten und Kosten versorgen.

Wer würde dieses Konto verwalten und wie wird sichergestellt, dass diese globale Gemeinschaftskasse seinen vorgesehenen Zweck zielgerecht erfüllt?

Bevor wir über Verwaltung und Zielerreichung sprechen, würde ich gerne beleuchten, warum die UN ihre Ziele bis heute nur teilweise erreichen konnten. Eine wichtige Rolle spielt ein Geburtsfehler der UN. Sie entstanden 1945 mit zwei Gesichtern, einem globalen und einem nationalen.

Das globale Gesicht ist das UN-Sekretariat. Es arbeitet gemäß Art. 100 UN-Charta unabhängig von nationalen Interessen für das globale Allgemeinwohl. Das nationale Gesicht ist die Generalversammlung, der Sicherheitsrat, der Wirtschafts- und Sozialrat. Sie bestimmen über die Mittel des UN-Sekretariats. Dadurch ist das UN-Sekretariat in vielerlei Hinsicht gelähmt. Sein Budget ist geringer als das eines Ölkonzerns wie Exxon, seine Personalzahl entspricht etwa den öffentlich Bediensteten der Stadt Hamburg. Häufige Eingriffe, Bürokratie und Personalspiele mancher Nationalstaaten verhindern zusätzlich, dass es als Hausverwaltung wirksam arbeiten kann.

Ein UN-Weltkonto der Menschen kann das ändern und die in der UN Charta vorgesehene Autonomie des UN-Sekretariats herstellen. Durch die jährlich freiwillige Einzahlung kontrollieren wir alle zusammen, ob wir mit der Zielerreichung zufrieden sind. Die dazu notwendigen Daten liefert u.a. das UN-Transparenzportal (das bestehende UN Multi-Partner-Trust-Fund-Office).

Zur Verwaltung: Die Bitte, als Lenkungskomitee zu fungieren, richtet sich an aktuelle und vormalige UN-Generalsekretäre /-innen, also derzeit an António Guterres, Ban Ki-moon und Kofi Annan. Der komplette Entwurf einer UN-Weltkonto-Organisation orientiert sich an vorhandenen UN-Modellfonds und findet sich hier.

Bei einem Konto erwartet man Zinsen. Ist es geplant, dass mit dem Geld auch nachhaltige Investitionen getätigt werden, die eine Rendite erwirtschaften?

Darüber zu entscheiden wäre später Sache der UN-Generalsekretäre. Das Pilot-Weltkonto ist jedenfalls ein reines Sammelkonto, um die Bereitschaft in Deutschland zu belegen. Es tätigt keinerlei Investitionen und hat keine Kosten. Wenn hier umgerechnet 100 Millionen US-Dollar zusammenkommen, werden sie dem UN-Generalsekretär António Guterres angeboten, verbunden mit der Bitte, die Einrichtung eines globalen UN-Weltkontos der Menschen zu prüfen. Mit einer Überweisung entscheidet man also über die Chancen einer globalen Gemeinschaftskasse. Falls bis Ende 2021 der Zielbetrag nicht zusammenkommt, erhält die Welthungerhilfe das Guthaben des Pilot-Weltkontos. Die Einzahlung in das Pilot-Weltkonto fördert das deutsche Finanzamt als Sonderausgabe. Ein Teil kommt also mit der Steuererklärung zurück.

Du sprichst von ein Tausendstel des globalen Privatvermögens, wie kommst du auf diese Zahl?

Ein Tausendstel des globalen Privatvermögens entspricht knapp 300 Milliarden US-Dollar. Damit könnte das UN-Sekretariat (alias Hausverwaltung) die Global Goals (alias Hausordnung) koordinieren und kofinanzieren. Das damit bewegbare Gesamtvolumen an Investitionen liegt erheblich höher. Da sprechen wir über mehrere Prozent des Weltbruttosozialproduktes.

Wie der Titel schon verrät, ist das Projekt noch in der Anfangsphase. Schauen wir mal etwas weiter in die Zukunft. Wo siehst du das Weltkonto in 5 Jahren?

In 5 Jahren werden wir wissen, ob aus dem deutschen Pilot-Weltkonto ein globales Weltkonto hervorgehen konnte. Sofern es gelingt, werden wir erleben, was eine Hausverwaltung leisten kann. Sie betreibt politische Lobbyarbeit für Frieden, Wohlstand und Umwelterhalt, sie setzt Anreize, sie investiert, sie führt ein weltweit abgestimmtes, massives Programm und zieht dabei möglichst viele Regierungen und Konzerne mit. Sie organisiert z.B. eine globale Bildungsoffensive (Ziel 4 der Global Goals) oder fördert die Umwidmung von Abermilliarden US Dollar, die global fossile Brennstoffe subventionieren (Ziel 12.11). Sie stellt klar, dass Migrationspolitik eine globale Aufgabe ist (Ziel 10.7) So organisiert sie vor Ort eine menschenwürdige Versorgung von Flüchtenden, klärt professionell den Schutzanspruch des einzelnen Menschen. Sie koordiniert weltweit die Aufnahme für Schutzberechtigte und unterstützt finanziell die freiwillig aufnehmenden Staaten. Berechtigte verteilen sich so auf viele Dutzend Länder. Das nimmt auch Scheinflüchtenden die Lust, da sie ihr Zielland nicht vorausplanen können. Asyl und Migration wären entzerrt. Der Migrationsdruck würde parallel abnehmen, da das Voranbringen der 17 Global Goals in vielen Ländern neue Perspektiven schafft.

Die Hausverwaltung fördert die Ausbreitung ökonomischer Netzwerke mit geringen Transaktionskosten, neue soziale Grundsicherungssysteme, zuverlässigere Rechtssysteme, Entwurmungskampagnen, die Streichung unfairer Handels- und Agrarexportsubventionen, mehr sozialpolitische Drogenprävention, Bodenschutzprogramme oder Schutzpachten für Zonen biologischer Artenvielfalt. Das ist eine kleine Auswahl der 169 Maßnahmen, mit denen die 17 Ziele konkretisiert wurden. Kurz: Wir kümmern uns mehr umeinander und um unser Haus.

Du hast Geldscheine in Innenstädten vom Himmel regnen lassen. Welche andere aufsehenerregenden Aktionen hast du bereits durchgeführt?

Die echten Geldregen funktionieren so gut, dass ich bis auf Weiteres dabei bleiben werde. Ich liebe die kleinen Geräusche dabei, z.B. wenn ein Kind ruft „Mama, schau mal, da fliegt Geld!“ Und wenn die Mutter antwortet: „Nein, Anna, lass, das sind Werbezettel.“

Mit welcher Strategie überzeugst du die Öffentlichkeit, sich an deinem Konzept zu beteiligen?

Ich möchte über Medien die Menschen erreichen, die Spaß an positiver Gemeinschaft haben. Und die bereit sind, ein Tausendstel einzusetzen. Mich selbst überzeugt das Risiko-Chance-Verhältnis eines Weltkontos: Das Risiko ist, dass mir ein Tausendstel meines Vermögens fehlt. Das spüre ich praktisch nicht. Die Chance ist ein freundlicheres Lebensumfeld im gemeinsamen Haus – das spüre ich sehr wohl und kann mich täglich daran freuen.

Du trägst im Namen ein kleines Planetensymbol° was hat es damit auf sich?

Es symbolisiert meine Bereitschaft, freiwillig ein Tausendstel meines Vermögens in eine globale Gemeinschaftskasse einzuzahlen.

Ich möchte meinen Beitrag zum Weltkonto leisten, was sind die nächsten Schritte?

Es sind zwei:
1. Sprich bitte mit anderen über die Global Goals und die Möglichkeit eines Weltkontos der Menschen.

2. Auf der Website weltkonto.org findest du die Bankverbindung des Pilot-Weltkontos. Nenne bitte im Verwendungszweck die Nummern der Ziele, die dir besonders wichtig sind. Findest du die 17 Ziele in ihrer Gesamtheit wichtig, lasse bitte den Verwendungszweck frei.

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