binee gibt Elektroaltgeräten ein zweites Leben

Hallo Martin,

du bist Gründer von www.binee.com. Bitte stell uns dein Startup erst einmal in einem Tweet vor.

[Tweet „#binee bewahrt #Elektroaltgeräte vor einem schlimmen Ende. #SmartBin #MakeEWasteGreatAgain #Recycling #Transparenz #Vertrauen“]

 

Und jetzt noch ein paar Worte zu dir und deinen Mitgründern. Warum seid ihr die richtigen für die  Umsetzung?
Ideen gibt es viele, und bei der School of Design Thinking habe ich gelernt, viele Ideen zu kreieren und wieder zu verwerfen. binee wurde in einem ähnlichen Brainstorming-Kontext bei der Global Entrepreneurship Summer School in München entwickelt. Schon da habe ich gefragt: wollen wir das als spaßiges Zweiwochen-Projekt bei der Sommerschule sehen, oder wollen wir mal probieren wie weit wir kommen können? Die Umsetzung ist wirklich viel härter und verlangt Ausdauer und Resilienz. Das Team, das sich inzwischen gebildet hat, hat dieses Durchhaltevermögen wirklich bewiesen, und ist so positiv eingestellt, dass wir auch durch harte Phasen durchkommen. Von der Aufstellung her sind wir schon sehr gut aufgestellt. Die Mischung aus Ingenieurwesen für Tüftelei & Nerdiness, Design für eine durchgängige Formensprache und gute User Experience, Wirtschaftsingenieurwesen für Projektentwicklung, alles vereint mit verlässlichen Charakteren, birgt für alles eine Lösung.

Team binee

 

Was genau ist das soziale / ökologische Problem, das du lösen willst?

Müll ist das größte und komplexeste Problem unserer Zeit. Es braucht viele Ansätze, um diese Herausforderung zu bewältigen. Das Konzept Müll ist aber nicht sehr natürlich, und wir arbeiten mit der Grundhaltung, den Ort besser zu verlassen als wir ihn vorfinden; mit der Vision, dass unsere Enkel von Müll nur noch im Geschichtsunterricht lernen. Aber das klappt nicht gleich mit dem gesamten Müll – wir fangen zunächst mit Elektrogeräten an. Denn diese finden nur zu einem Bruchteil den Weg in die angemessenen Recyclingprozesse. Obwohl es ausreichend Kapazitäten gibt bei den lizenzierten Recyclern.

 

Und jetzt noch mal etwas genauer, wie funktioniert dein Konzept?

Der entscheidende Punkt ist die Sammlung der Elektrogeräte. Wenn diese in informelle Wege kommen, enden sie schlussendlich bei informellen Recyclingprozessen. Oder anschaulicher: sie werden von Menschen ohne Schutz auf offenen Feuern angebrannt, bis die Kupferkabel entfernt werden können. Wir sammeln Elektrogeräte in Elektromärkten und verifizieren über Sensorik in unserer Tonne, ob das richtige eingeworfen wurde. Da viele der von uns interviewten Menschen dem System misstrauen, bringen wir Transparenz in den Weg der Geräte und geben für den Aufwand des Nutzers gemeinsam mit dem Elektromarkt eine Belohnung aus.

 

Anhand von welchen Zahlen lässt sich das Problem messen, bzw. wie wirst du messen, ob dein Ansatz erfolgreich dazu beiträgt das Problem zu lösen?

Bekannt ist, dass etwa 15 % der Elektroaltgeräte auch in ordnungsgemäßen Recyclingprozessen verarbeitet werden. Der Rest wird exportiert oder als Müll verbrannt oder deponiert.

Wir beginnen mit etwas generischen Zahlen zur Wirkungsmessung, denn derzeit ist die Datenlage unübersichtlich – was ist enthalten im Gerät, was kann auch wirtschaftlich extrahiert und wiederverwendet werden? Langfristig hoffe ich dass wir recht genau unseren Impact messen können in den Bereichen CO2-Emissionen, Schadstoffemissionen, Energieeinsparung, Wassereinsparung. Komplizierter wird es beim Messen der vermiedenen Mülldeponieeinträge, der vermiedenen Landnutzung für Rohstoffminen und der vermiedenen Gewinnung von Konfliktmaterialien. Da suchen wir noch ein schlüssiges Modell. Denn wir fühlen uns impact-getrieben und würden gern auch die Daten unseren Nutzern zugänglich machen.

 

Was genau ist das Geschäftsmodell, also wie verdienst du damit Geld?
Die Elektromärkte suchen derzeit nach Möglichkeiten, neue gesetzliche Vorgaben zu Sammelquoten zu erfüllen. Dabei helfen wir ihnen und nehmen dafür eine Service-Gebühr. Wir wollen uns nicht auf ein sehr volatiles Einkommen aus Wertstoffen verlassen, um das richtige Recycling zu ermöglichen und die Entscheidungen nicht primär nach dem Preisaspekt zu treffen.

binee auf der CeBit

 

Wo stehst du jetzt gerade mit der Umsetzung deiner Idee?

Die binee hat inzwischen drei Prototypen durchlaufen und hat auf der CeBIT positive Rückmeldungen bekommen. Jetzt sind wir bereit für ein Pilotprojekt in einem Elektromarkt.

 

Welche Herausforderung, die du noch zu meistern hast, ist die größte?

Der erste Kunde ist immer der schwerste. Sobald wir einmal gezeigt haben, dass unsere Idee gut funktioniert und alle Fragen beantworten können, wird binee zur Referenz in der Elektrogerätesammlung werden. Aber den einen Partner, der sich als Pionier hervortut, den müssen wir nun finden.

 

Stelle der bettervest-Crowd eine Frage oder äußere eine Bitte, wie dir unsere nachhaltig engagierten bettervestoren behilflich sein können.

Reward-basiertes Crowdfunding passt für uns nicht so recht, für Crowdinvesting ist es noch recht früh. Unsere Idee dazu wäre, dass Crowdinvestoren speziell in Tonnen z.B. in ihrer Stadt investieren können. Was haltet ihr davon?

binee Konzept

Bis wir so weit sind, würden wir gern MaterialCrowdfunding ausprobieren – wir fragen also nicht nach Geld, sondern würden uns über Elektrogeräte freuen, mit denen wir lernen können! Unter www.binee.com/make-e-waste-great-again finden sich mehr Infos.

Danke für eure Aufmerksamkeit!

1998